Logo: 10 Jahre Demenz Support gGmbH


mu_ub_ah

Schallschluckende Tafeln im Treppenhaus, Franz-Jordan-Haus, Warburg


Raumakustik, Lärm und Stress

Viele und gleichzeitig bestehende Geräuschquellen können bei Menschen mit Demenz zu einer Überstimulation führen und Unruhe sowie aggressives Verhalten auslösen. Lärm ist für alle Menschen ein immer wiederkehrender Stressor im täglichen Leben. Menschen mit Demenz reagieren besonders sensibel auf akustische Reizüberflutung. Die liegt u. a. darin begründet, dass Geräusche aufgrund der kognitiven Einschränkungen nicht richtig interpretiert werden können. Ein weiterer Grund liegt im krankheitsbedingten Verlust der Filterfunktionen, die es diesen Personen unmöglich macht, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und unbedeutende Sinneseindrücke auszublenden. Menschen mit Demenz sind akustischen Reizen mithin sehr stark ausgeliefert.

Eine Vielzahl sich überlagernder Geräusche macht ein Pflegeheim zu einem Ort, der sich durch häufige akustische Überstimulation auszeichnet: Geschirrgeklapper vermischt sich mit Signaltönen, dem Quietschen und Rattern von Transportwägen, Zurufen der Mitarbeiter/-innen und sich wiederholenden Lautäußerungen demenzerkrankter Bewohner/-innen. Die Geräuschkulisse in einer Wohnung liegt normalerweise zwischen 45 und 55 Dezibel. Ab einem Dauerschallpegel von 60 Dezibel treten (im Schlaf) Stressreaktionen auf; ab 80 Dezibel kann die Gesundheit leiden.

Das Problem kann sich noch weiter verstärken, wenn der Schall von überwiegend harten Oberflächen (wenig Textilien, harte Bodenbeläge) reflektiert wird und Räume ohne akustische Trennung offen ineinander übergehen (z. B. große und offene Gemeinschaftsbereiche). Offene Treppenhäuser oder ein Lichthof erzeugen oft eine sich nach oben ausbreitende Geräuschwelle, die die Wohnbereiche akustisch überflutet.

Ziel einer raumakustischen Gestaltung ist es, durch den Einsatz schallschluckender Materialien wie Wand- oder Deckenpaneelen, Akustikputz, Textilien, Polstermöbel etc. den Schall so zu dämpfen, dass er nicht reflektiert wird (Schallabsorption) sowie vermeidbare Lärmquellen zu identifizieren und zu entfernen (z. B. optische anstatt akustische Signale verwenden).

Weitere Quellen

Vorschäge zur Verbesserung der Raumakustik bei bestehenden Gebäuden

  • Beseitigen Sie überflüssige und störende Geräuschquellen. Eine ganztägige Dauerbeschallung durch Radio oder Fernseher sollte abgestellt werden. Medienangebote wie Musik oder Film sind dann positiv und für Bewohner/-innen anregend, wenn sie gezielt eingesetzt werden.
  • Statten Sie die Transportwagen auf den Wohnbereichen mit geräuscharmen Gummirädern aus.
  • Bringen Sie Filze unter Stuhl- und Tischbeinen im Essbereich an.
  • Verbessern Sie die Raumakustik durch Ausstattungsgegenstände wie Holzmöbel, Sofas und Vorhänge. Auch Lochdecken sind hierfür gut geeignet
  • Messen Sie die Lautstärke auf den Wohnbereichen mit einem digitalen Schallpegelmessgerät (30 bis 130 dB) über den Tagesverlauf hinweg und bei unterschiedlichen Angeboten. Dokumentieren Sie die jeweilige Geräuschbelastung mit Ort und Uhrzeit und suchen Sie gemeinsam mit den Teams des Wohnbereichs nach Entlastungsmöglichkeiten

Planungshilfe / mensch_und_umwelt / behaglichkeit / akustik_und_hoeren / [ Akustik + Hören ]