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Lichtplanung bei altersbedingten Seheinschränkungen

Gutes Licht und ein gutes Beleuchtungskonzept sind zentrales Qualitätsmerkmale von Wohnumgebungen für alte Menschen. Gutes Licht kann altersbedingte Seheinschränkungen kompensieren und so zur Lebensqualität der Bewohnern beitragen.

Nicht alle Menschen sind gleichermassen betroffen, jedoch beim normal alternden Auge ist schon im Alter von 60 Jahren die Lichtmenge, die die Retina erreicht um ca. 66% reduziert. Ursache ist die Gelbtrübung der Linse, die durch die Trübung weniger Licht und durch die Gelbfärbung weniger kurzwelliges Licht und weniger blau-violette Farbtöne durchlässt.
Durch Nachlassen der Beweglichkeit der Augen und zunehmende Verhärtung der Linse wird das Blickfeld kleiner und die Fähigkeit der Tiefenwahrnehmung nimmt ab: es wird schwieriger Entfernungen, Räume in ihrer Ausdehnung und dreidimensionale Gegenstände einzuschätzen.Die Darstellung zeigt, daß Augenerkrankungen zusätzlich die Sehfähigkeit noch weiter einschränken.

Durch gute Beleuchtung und vor allem durch Tageslicht, lassen sich diese Seheinschränkungen mildern oder gar kompensieren wie z. B. Fehlwahrnehmungen, die zu Sturzrisiken führen oder Antriebsarmut vermindern.

Gutes Licht wirkt in drei Bereichen:
- Durch Verbesserung der Sehfähigkeit werden Kompetenzen und das Sicherheitsgefühl gestärkt.
- Licht wirkt wie ein Stimmungsaufheller und steigert das Wohlbefinden.
- Natürliches Licht wirkt als Taktgeber für den Tag-Nacht-Rhythmus und ist wichtig für den Knochenaufbau.

Grundbeleuchtung

Für gute Wahrnehmung, Orientierung und Sicherheit bei Seheinschränkungen unterstützt eine durchgängig helle, blendfreie Umgebung mittlerer Schattigkeit die Sehleistung. Je nach Nutzungsbereich braucht es eine Helligkeit von 300 - 700 Lux auf Aughöhe.

Ein unterstützendes Lichtkonzept entsteht durch eine Grundbeleuchtung aus blendfreiem Tageslicht und indirektem Kunstlicht in Kombination mit direkt beleuchteten Lichtinseln.

Für die jahres- und tageszeitliche Orientierung und für das Wohlbefinden ist soviel wie möglich Tageslicht in den Aufenthaltsräumen anzustreben. Sonnenlicht kann bei tiefem Stand z.B. im Winter blenden und im Sommer die Räume unangenehm aufheizen – deshalb ist der Blendschutz gleichzeitig auch als Klimaschutz zu gestalten. In Einrichtungen mit unzureichender natürlicher Belichtung und wenig Möglichkeiten der Bewohner nach draussen zu gehen, empfiehlt sich die Ausstattung mit einem über den Tag modulierenden künstlichen Lichtsystem, das den circadianen Rythmus in seiner Lichtzusammensetzung simuliert.

Indirekte Beleuchtung entsteht durch Licht, das von Decken und Wänden reflektiert wird. Diese weiche Licht sorgt für eine angenehm gleichmässige Ausleuchtung des Raumes, wirft kaum Schatten, erzeugt keine Reflexe und blendet nicht. Indirektes Licht kann man z. B. mit Wandleuchten oder Deckenflutern erzeugen.

Direktes oder zentriertes Licht wird immer dort eingesetzt, wo man Details erkennen möchte – z. B. auf Arbeitsflächen, an Nähtischen und in Leseecken. Lichtinseln die z. B. durch Tisch- oder Wandleuchten entstehen lassen einen Raum wohnlich erscheinen, da sie sich gegen den etwas dunkleren Raum abheben und anziehend wirken. Direkte Raumbeleuchtung über Deckenleuchten soll vermieden werden, denn so entstehen starke Schatten- und Blendwirkungen.

Blendung vermeiden

Alle Fensterflächen nach Osten, Süden und Westen brauchen einen flexiblem Sonnenschutz, der zu allen Jahreszeiten und ihren unterschiedlichen Sonnenständen blendfreie und trotzdem lichtdurchflutete Wohnräume ermöglicht.

Der Verzicht auf grosse, glänzenden Oberflächen bei Möbeln, Wand und Boden hilft blendende und verwirrende Reflexionen zu vermeiden, die am Boden ausserdem den Eindruck von Wasser bzw. Nässe erwecken können.

Grosse Helligkeitsunterschiede zwischen Räumen und in Übergangszonen blenden durch die verlängerte Adaptionszeit des Auges und schaffen Unsicherheit und Stress.

Blendfreiheit bei Kunstlicht wird im Abschnitt Grundbeleuchtung beschrieben.

Warum einen Lichtplaner beauftragen?

Das Thema Licht ist sehr komplex. Deshalb ist ein gutes Beleuchtungskonzept auf das Fachwissen eines Lichtplaners angewiesen. Besonders für den Flur als Bewegungsraum und für die Gemeinschafts- und Aufenthaltsbereiche, die nicht nur bei den gemeinsamen Mahlzeiten bewohnt werden, muss die Beleuchtung in angemessener Weise an die besonderen Bedürfnisse demenziell veränderter und alter Menschen angepasst werden.


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