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Raumgeruch kann Stress verursachen

Schlechte Umgebungsgerüche schmälern Appetit und Wohlbefinden. Sie können herausfordernde Verhaltensweisen wie Aggression, Weglauftendenzen etc. provozieren.

Der Raumgeruch ist oft eine flüchtige Impression, die zwar nur kurz wahrgenommen wird, jedoch entscheidend dazu beiträgt, ob der Raum als angenehm oder unangenehm empfunden wird. Wer sich länger in einem Raum aufhält, gewöhnt sich an dessen Geruch: Die Geruchswahrnehmung verschwindet, weil die Riechschleimhaut ermüdet. Gleichzeitig bleibt die Fähigkeit für die Wahrnehmung anderer Gerüche bestehen. Die Verarbeitung von Geruchsimpulsen erfolgt im limbischen System, das als physiologisches Zentrum der emotionalen Reizverarbeitung gilt. Deshalb sind Gerüche stark mit Emotionen verbunden.

Pflegeeinrichtungen besitzen einen Eigengeruch. Ein Zuviel des Einsatzes desinfizierender und desodorierender Mittel wirkt hier ähnlich abschreckend wie ein von Urin herrührender latenter „Muff“. Sticht in einem Wohnbereich oder in anderen Bereichen der Einrichtung der Geruch nach Fäkalien hervor, dann können abwehrende Verhaltensweisen bei Bewohnerinnen bzw. Bewohnern und Besuchenden ausgelöst werden. Es ist nachvollziehbar, dass unangenehme Gerüche das Bedürfnis provozieren oder zumindest verstärken, die Einrichtung zu verlassen. In jedem Fall besteht für Besucherinnen und Besucher eine Geruchsbarriere, die sie überwinden müssen, wenn sie den Kontakt zu ihren Familienangehörigen halten möchten.

Der Pflegeberuf verlangt Pflegenden eine große Toleranz für unangenehme Gerüche ab. Hier sind die Arbeitsbedingungen so anzupassen, dass Pflegende keine Abwehr entwickeln. Eine Optimierung von Arbeitsabläufen in der Entsorgung und Lagerung von Inkontinenzmaterialien bedeutet eine Verbesserung für alle Beteiligten. Auf Raumsprays sollte verzichtet werden, weil sie Atemreizungen oder Entzündungen der Augen auslösen können.

Angenehme Geruchseindrücke können gezielt als positive Komponenten im Tagesablauf eingesetzt werden, etwa bei den Mahlzeiten oder bei Aktivitäten. In einem solchen Fall dienen Gerüche nicht nur als (positiv besetzte) Erinnerungsbrücken, sondern auch als Unterstützung der zeitlichen Orientierung der Bewohner/-innen und zur Anregung des Appetits.

Quellen

Vorschläge zur Verbesserung der Raumluft bei bestehenden Gebäuden

  • Eine Bewertung des Raumgeruchs erfolgt am besten durch eine neutrale, unbeteiligte Person. Bitten Sie diese, einen „Schnuppereinsatz“ in unterschiedlichen Bereichen der Einrichtung vorzunehmen (Eingangsbereich, Wohnbereiche, Gemeinschaftsraum, Flur und Bewohnerzimmer).
  • Denken Sie über Möglichkeiten der Verbesserung der Arbeitsabläufe im Hinblick auf die Entsorgung und Lagerung von Pflegeabfällen (Inkontinenzmaterialien etc.) nach und setzen Sie entsprechende Schritte um! Achten Sie hier insbesondere auf die Pflegewagen im Flurbereich, die mit einer Geruchsschranke ausgestattet sein sollten.
  • Verwenden Sie natürliche ätherische Öle, wie sie auch in der Aromatherapie angewandt werden, dezent zur Stimulation der Bewohner/-innen und zur Verbesserung der Raumluft. Nehmen Sie dies in die täglichen Gepflogenheiten auf.
  • Sorgen Sie für Querlüftung (wenn Bewohner/-innen durch den Luftzug nicht beeinträchtigt werden) oder regen Sie für problematische Räume technische Lösungen an wie z. B. den Einbau eines kontrollierten Be- und Entlüftungsgeräts.
  • Dunkle Ecken werden leicht zu „Pinkelecken“! Meist reicht eine gute Beleuchtung, um dieses Problem zu lösen.

Raumklima

Das Raumklima in Pflegeeinrichtungen muss an den Bedürfnissen hochbetagter und infektanfälliger Menschen orientiert sein. Hier besteht häufig eine deutliche Diskrepanz zwischen den Bedürfnissen von Pflegenden und denen der Bewohner/-innen.

Für das Behaglichkeitsempfinden spielen die Lufttemperatur, Luftbewegungen, die Oberflächentemperatur der umgebenden Flächen und die Luftfeuchtigkeit eine wichtige Rolle. Generell bevorzugen alte Menschen eher höhere Raumtemperaturen und reagieren empfindlich auf Zugluft.
Das Raumklima ergibt sich im Wesentlichen aus dem Verhältnis der beiden Parameter Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit. Ein angenehmes Raumklima entsteht bei Temperaturen zwischen 20 und 22 Grad mit einer relativen Luftfeuchte zwischen 40 % und 60 %.

Ein vermehrtes Auftreten von Bindehautreizungen und erhöhte Infektanfälligkeit kann mit zu geringer Luftfeuchtigkeit zusammenhängen. Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit sollten daher kontrolliert werden. Zu geringe Luftfeuchtigkeit entsteht vor allem in der Heizperiode (Oktober bis Mai), wenn der ohnehin bereits trockeneren Luft durch das Aufheizen zusätzlich Feuchtigkeit entzogen wird.

Die Luftfeuchtigkeit sollte 40 % nicht unter- und 60 % nicht überschreiten. Die Umgebungstemperatur in den kalten Jahreszeiten ist an den Bedürfnissen der Bewohner auszurichten (eher sehr warm) und widerspricht mitunter den Bedürfnissen von Pflegenden, die den ganzen Tag auf den Beinen sind und einen höheren Stoffwechsel haben.

Quellen


Vorschläge für bestehende Häuser zum Raumklima

  • Die Arbeitskleidung für Pflegende sollte so ausgewählt werden, dass sie im Sinne der „Zwiebeltechnik“ getragen bzw. stückweise abgelegt werden kann (hier kann auch Funktionswäsche geeignet sein).
  • Bieten Sie im Sommer Schattenplätze im Freien und Fußbadewännchen mit kaltem Wasser an. Sorgen Sie während des ganzen Jahres, mit verstärkter Aufmerksamkeit in Hitzeperioden, für ausreichende Flüssigkeitsaufnahme.
  • Achten Sie in den kalten Jahreszeiten darauf, dass Bewohner/-innen warme Füße und Hände haben. Für diesen Zweck sind Wollsocken besonders gut geeignet.
  • Ein Hygrometer im Aufenthaltsbereich gibt eine schnelle Information über Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit. Zur Raumbefeuchtung empfiehlt sich der Einsatz eines Zimmerbrunnens.

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