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Dieser Raum sieht auch für gesunde Menschen mit optimaler Sehfähigkeit nicht wie eine Küche aus, da die entsprechenden Einrichtungsgegenstände wie Herd, Spülbecken, Kühlschrank und Arbeitsflächen fehlen.


Stress durch institutionelle Gestaltung

Demenzerkrankte Bewohner/-innen in stationären Einrichtungen äußern häufig den Wunsch, „nach Hause“ zu wollen. Eine solche Äußerung deutet darauf hin, dass die aktuelle Wohnsituation im Heim oftmals weit von dem entfernt ist, was als „Zuhause“ empfunden wird. Insbesondere in einer Umgebung, die stark institutionell geprägt ist, leiden die Bewohner/-innen unter dem Verlust des Vertrauten. Alles kommt ihnen fremd und unverständlich vor. Daher kann der Wunsch des „nach Hause Gehens“ so interpretiert werden, dass ein Verlangen nach einem sicheren Ort besteht, an dem es behaglich und gemütlich ist und wo es leicht fällt, sich zu orientieren und zurechtzufinden.

Für Pflegeeinrichtungen ist es wichtig, dass die räumliche Umgebung in sich stimmig und vertraut wirkt und die dort lebenden Menschen sich nicht durch eine Vielzahl von Dingen bedroht fühlen, die sie nicht verstehen. Die Umgebung sollte daher möglichst alltagsnah, das heißt privaten Wohnverhältnissen angepasst, und die Ausstattung weder einheitlich noch standardisiert sein, um wenig Assoziationen an eine Institution nahezulegen. Für die Innenraumgestaltung können Ausstattungsgegenstände mit kultur- und milieuspezifischen Bezügen für die Bewohner/-innen ein vertrautes Umfeld schaffen. Das Bewohnerzimmer als individueller Rückzugsbereich sollte so weit wie möglich mit persönlichen Gegenständen und Möbeln der Bewohner/-innen ausgestattet werden.


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Wohnlichkeit

Wohnlichkeit ergibt sich aus unterschiedlichen, aufeinander abgestimmten Gestaltungselementen: Wandgestaltung (Tapete oder warme Wandfarbe), nicht irritierende Fußbodenbeläge, Mobiliar, das für Bewohnerinnen und Bewohner bequem (Sitzhöhe beachten) und für Pflegende funktional ist (Bezüge, Sitzkissen, Handhabbarkeit). Farben, Stil und Materialien sind aufeinander abgestimmt und werden durch der Generation entsprechenden Einzelstücke ergänzt.

Eckpunkte von Wohnlichkeit zeigen sich im Zuviel und im Zuwenig einer Raumgestaltung. Überladene und mit Mobiliar vollgestellte Räume vermitteln eher den Eindruck eines „Museums“ oder einer Rumpelkammer als den eines Wohnraums. Nackte und spärlich eingerichtete Räume wirken wie Wartehallen, die nur temporär genutzt und bald verlassen werden. Sie erzeugen weder den Eindruck von Behaglichkeit, noch fordern sie zum Verweilen auf. Vielmehr senden Sie permanent das Signal aus, diesen Ort schnellstmöglich zu verlassen. Wer diesem Signal nicht Folge leisten kann, dem bleibt nur die Möglichkeit, zu resignieren.

Individueller Geschmack, Lebensstil und kultureller Hintergrund fließen in die Bewertung der Wohnlichkeit ein. Praktische Gesichtspunkte müssen natürlich ebenso beachtet werden (z. B., ob der Fußbodenbelag rutschfest und urinresistent ist). Unbequemes Mobiliar, Ess- und Wohnraum mit dem Charme einer Wartehalle oder Räume, die nicht erkannt werden, weil weder Mobiliar noch Ausstattungsgegenstände einen Hinweis auf die Nutzung geben, fördern herausfordernde Verhaltensweisen oder wirken sich negativ auf den Lebensmut der Bewohner/-innen aus.

Wohnlichkeit steht auch in einem Zusammenhang zur Eindeutigkeit von Räumen. Die Küche bekommt durch Ausstattungselemente (Spüle, Herd, Kühlschrank etc.) und durch Küchenutensilien Kontur, das Wohnzimmer durch bequeme Sitzmöbel und einen Wohnzimmerschrank mit entsprechenden Accessoires. Wohnlichkeit ist dann gegeben, wenn Ausstattungsgegenstände den Bewohnerinnen bzw. Bewohnern bekannt sind und gerne genutzt werden: Sofas, Kachelofen mit Sitzgelegenheit, Liegestuhl im Garten.

Accessoires wie eine Tischdekoration mit essbaren Pflanzen (z. B. Bellis, Kapuzinerkresse) oder Küchenkräutern (z. B. Basilikum, Petersilie), Zeitschriften für Bewohner/-innen (z. B. Autobroschüren, Sport- und Modezeitschriften, Kataloge etc.) und Gestaltungselemente an den Wänden machen den Raum wohnlich.

Quellen
Ehret, T. (2011). Farben wirken: Gezielte Farbgestaltung im Seniorenheim. Beilage zur Zeitschrift pflegen: Demenz. Heft 19. Friedrich Verlag GmbH.
Grimm, S. (2006): "Hier bin ich zu Haus!". In: pflegen: Demenz. Heft 1, 30-34.
Heeg, S. (2008): Bau und Innenraumgestaltung. In: Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. (Hg.): Stationäre Versorgung von Alzheimer Patienten. 6. aktualisierte Auflage. Berlin: Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V., 97-122.
Michels, B.; Fischer, C.; Schmidtmann, U.; Raabe, H.; Schlichting, R.; Biedermann, M. (2004): Verbesserung der Wohnatmosphäre im Heim: Planungshilfe unter besonderer Berücksichtigung der Bedürfnisse von Menschen mit Demenz. 11. Auflage. Köln: Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung BMA/BMGS Modellprojekte.
Schneider-Grauvogel, E.; Kaiser, G. (2009): Licht + Farbe. Wohnqualität für ältere Menschen. Köln: Kuratorium Deutsche Altershilfe. Radzey, B.; Heeg, S. (2013): Planungshilfe: Gemeinschaftsräume. (in Vorbereitung)

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