Logo: 10 Jahre Demenz Support gGmbH


mu_rz_gp_sitznischen

Sitzplätze, Sitznischen, Beobachtungsplätze

Stehen in einem Wohnbereich als Aufenthaltsorte lediglich der Ess- bzw. Aufenthaltsbereich und das Privatzimmer zur Verfügung, dann kann diese Anregungsarmut zu depriviertem Verhalten oder zu Weglauftendenzen bei Menschen mit Demenz führen. Ohne „Raumpuffer“ können schwierige Situationen schwer entspannt werden.

Sitzplätze, die mit Sofa, Ofenbank, Einzelsessel etc. ausgestattet sind und einen Blickbezug zur Gemeinschaft ermöglichen, bieten ein „Dabeisein“ mit Distanz. Besonders bei Männern sind solche Aufenthaltsangebote beliebt, weil sie ihrem Bedürfnis nach Abstand und Schutz vor räumlicher Enge entgegenkommen. Sitzgelegenheiten an Aktivitätsknotenpunkten bieten abwechslungsreiche Begegnungen, die sich aus der Situation heraus ergeben. Ein Standortwechsel bedeutet immer auch einen Perspektivenwechsel.

Für Menschen mit Demenz sind Anregungen wichtig, die sie nicht überfordern. Sitzbereiche, die sich an Flurenden befinden, sind oft wenig frequentiert. Sie können in den Tagesablauf als Aufenthaltsorte eingeplant und ohne großen Aufwand mit Angeboten „angereichert“ werden. Mit Aktivitäten wie Zeitung vorlesen, kleinen Singrunden, Gesprächsimpulsen, verbunden mit die Sinne einladenden Ingredienzien (z. B. Eierlikör, Kastanien, Geruchssäckchen), lässt sich die Attraktivität dieser Raumoption noch weiter steigern. Sich in eine Sitznische zu begeben bedeutet, einen Ortwechsel vorzunehmen. Dies erfordert Bewegung. Mithin kann ein Sitzplatz zum Baustein im Konzept zur Bewegungsförderung werden.

Sitzgelegenheiten an den Flurenden können vor herausfordernden Verhaltensweisen (z. B. Eindringen in andere Bewohnerzimmer, Pinkelecken etc.) bewahren, indem sie zum Verweilen einladen, die Menschen zur Ruhe kommen lassen und den Blick in den Bewegungsraum und zur Gemeinschaft lenken.

Für Bewohner/-innen sind Sitzplätze auch eine Möglichkeit, sich mit ihrem Familienangehörigen zurückzuziehen, ohne sich von der Gemeinschaft gänzlich abzuschotten. In Demenzwohngruppen ziehen es Angehörige häufig vor, sich im Gemeinschaftsbereich aufzuhalten. Hier werden die Impulse anderer Bewohner/-innen oder von Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern gerne aufgenommen, um die Hilflosigkeit und das Schweigen zu überbrücken. In bestimmten Zeiträumen sind die Beschäftigten allerdings in ihren Arbeitsabläufen behindert, wenn sich zu viele Angehörige im Gemeinschaftsbereich befinden und z. B. eine Mahlzeit vorzubereiten ist. Hier kann eine Sitznische zu einer Entspannung der Situation beitragen, wenn Angehörigen zusätzlich eine Hilfestellung für ein kleines Spektrum an Angeboten vermittelt wird.

Quellen
Heeg, S.; Bäuerle, K. (2008): Heimat für Menschen mit Demenz. Frankfurt: Mabuse.

Sitznischen planen und nutzen

  • Richten Sie Sitznischen an sogenannten „sit and watch“-Plätzen ein (etwa im Eingangsbereich der Wohngruppe oder in der Nähe von Aufzügen oder Treppen etc.). Bewohner/-innen genießen es, wenn kurze Begegnungen Abwechslung bringen.
  • Sitznischen können auch thematisch gestaltet werden (hier können die Biografien der Bewohner/-innen Impulse liefern, z. B. Handwerksmaterialien oder Frisiernische).
  • Platzieren Sie für Angehörige Materialen in Sitznischen, die zu Aktivitäten anregen (Zeitung, Märchenbuch, Gedichtband etc.).
  • Bieten Sie täglich wiederkehrende Aktivitäten für (kleine) Bewohnergruppen in Sitznischen an (Zeitung vorlesen, Gebet, Singkreis).

Planungshilfe / mensch_und_umwelt / raumerleben_und_zusammenleben / gemeinschaft_und_privatheit / [ Gemeinschaft + Privatheit ]