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Im eigenen Zimmer

Ein Umzug ins Pflegeheim bedeutet für viele Bewohner/-innen den Verlust des identitätsstiftenden Umfelds und eine verstärkte Desorientierung. Eine Beheimatung in einem fremden Haus und fremden Räumen unter fremden Menschen kann den Lebensmut mindern oder herausfordernde Verhaltensweisen mit sich bringen.

Das Bewohnerzimmer ist das private Territorium der Bewohnerin bzw. des Bewohners, über das sie oder er in großen Teilen ausschließliches Nutzungsrecht hat. Es ist der einzige Bereich, der nach eigenen Vorstellungen eingerichtet und gestaltet werden kann.

Oft bedeutet ein Umzug in eine Pflegeeinrichtung jedoch den Bezug eines standardisierten teil- oder vollmöblierten Zimmers. Zur Grundausstattung eines Bewohnerzimmers gehören in der Regel ein Pflegebett mit Nachttisch, ein Kleiderschrank, zwei Stühle und ein Tisch. Es bleibt dann zumeist noch Platz für eine Kommode, ein kleines Sofa oder einen bequemen Sessel aus privatem Bestand. Oft besteht Verhandlungsspielraum, wenn auch das einrichtungseigene Tischarrangement durch eigenes Mobiliar ersetzt werden soll.

Als Programm wenig verbreitet oder abhängig von den vorhandenen Lagerflächen ist das Angebot, das Bewohnerzimmer individuell und komplett mit eigenen Möbeln (inklusive Bett) auszustatten. Das hat den Vorteil, dass zwar ein Umzug in neue Wände erfolgt, aber mit dem eigenen Mobiliar ein Stück Heimat und Lebensgeschichte mitgebracht werden kann. Ein Umzug ins Fremde sollte durch Bekanntes „abgefedert“ werden.

Jede Privatwohnung hat ihren eigenen Geruch, der Bestandteil des sich zuhause Fühlens ist. Für die Beheimatung neuer Bewohner/-innen ist es u. a. bedeutsam, dass auch der „Eigengeruch“ mit umzieht. Hier sind Matratzen, Bettwäsche, Wolldecken, Sofakissen etc. relevant, die mit Geruch und Haptik das Gefühl von zu Hause sein vermitteln. Die Gestaltung um den Schlafplatz sollte möglichst aus dem bislang vertrauten Umfeld übernommen werden.

An Ausstattungsgegenstände können Rituale gebunden sein (z. B. Weihwasserkessel, Familienfoto, Klosterfrau Melissengeist etc.), die im Tagesablauf für die Person bedeutsam sind. In der Wandgestaltung spiegeln sich Persönlichkeit, Lebensgeschichte und ästhetischer Sinn. Fotos von Familienangehörigen unterstützen das Erinnerungsvermögen. Sie geben Pflegenden wichtige Informationen und liefern zugleich Impulse für Gespräche. Urkunden, Medaillen oder Pokale sind Ausdruck von Lebensleistungen, die die Person mit Stolz erfüllt. Sie bieten wichtige Ansatzpunkte für gelingende Gespräche

Quellen

Vorschläge für einen gelungenen Einzug

  • Integrieren Sie die Biografiearbeit bereits in das Aufnahmeverfahren (z. B. Fotos vom Schlafplatz im Privathaushalt).
  • Entwerfen Sie einen Informationsbrief für Angehörige, der konkrete Vorschläge zur Eigenmöblierung von Bewohnerzimmern anbietet. Verweisen Sie auf die Bedeutsamkeit von Lieblingsmöbeln oder Gegenständen, die Lebensgeschichte widerspiegeln.
  • Bringen Sie an den Türen Orientierungshilfen an: etwa ein Namensschild (Schrift z. B. Altdeutsch oder Sütterlin oder in Muttersprache, z. B. kyrillisch) oder Fotos und Gegenstände mit identitätsstiftender Bedeutung.

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