Innenraum + Außenraum

In­nen­raum + Au­ßen­raum

Gar­ten, Ter­ras­se, Bal­kon

Men­schen mit De­menz hal­ten sich kaum in Frei­be­rei­chen auf, ob­wohl dies das Wohl­be­fin­den för­dert und der cir­ca­di­a­ne Rhyth­mus po­si­tiv be­ein­flusst wird. Der per­ma­nen­te Auf­ent­halt im In­nen­be­reich von Pfle­ge­ein­rich­tun­gen kann her­aus­for­dern­de oder apa­thi­sche Ver­hal­tens­wei­sen pro­vo­zie­ren.

Das Ge­fühl von Frei­heit wird meis­tens mit einem „Au­ßen­be­reich“ as­so­zi­iert. Die Wahl zwi­schen un­ter­schied­li­chen Auf­ent­halts­or­ten be­stärkt bei Men­schen mit De­menz das Ge­fühl von Au­to­no­mie und Selbst­be­stim­mung. Na­tur­er­le­ben hat ge­ra­de auf Men­schen mit De­menz eine po­si­ti­ve Wir­kung.

Viele Bewohner:innen, die in den Räumen der Einrichtung unruhig oder teilnahmslos wirken, blühen im Freien auf. Sie sind dort interessiert, mitteilsam und können Situationen richtig interpretieren.

Auch wenn kognitive Fähigkeiten weitgehend verloren gegangen sind, werden Menschen mit Demenz auf einer tiefen, emotionalen Ebene von Natur berührt. Eine natürliche Umgebung, die Frieden, Ruhe und Schönheit ausstrahlt, wirkt ausgleichend, entspannend und zugleich anregend.

Als Freibereiche gelten beschützte Gärten oder große Terrassen und Balkone. Zwei Voraussetzungen müssen allerdings erfüllt sein, damit ein beschützter Garten auch tatsächlich genutzt wird: Der Freibereich muss zum einen von den Gemeinschaftsräumen aus einsehbar und ohne Umweg direkt und „niederschwellig“ zu erreichen sein. Zum anderen muss er gefährdungsarm gestaltet sein (z. B. keine giftigen Pflanzen). Nur dann können es Pflegende verantworten und mit ihrem Bedürfnis nach Sicherheit vereinen, wenn Bewohner:innen ohne Begleitung allein in den Garten oder Freibereich gehen.

Aus Studien ist bekannt, dass Naturerleben und der Aufenthalt im Freien einen positiven Einfluss auf das Befinden und das Verhalten demenziell erkrankter Personen haben. Eine vergleichende Langzeitstudie in fünf Einrichtungen mit und ohne Freibereich ergab, dass die regelmäßige Nutzung des Außenraums einen Rückgang von herausforderndem Verhalten bewirkte und damit auch eine Verbesserung im Belastungserleben der Pflegenden mit sich brachte. Die Möglichkeit, sich frei bewegen zu können, ist darüber hinaus zentraler Bestandteil selbstbestimmten Handelns, besonders für motorisch aktive Bewohner:innen mit Demenz. Für sie ist es wichtig, dass sie ihren Bewegungsdrang ungehindert ausleben können.

Quellen:
Chalfont, G. (2010): Naturgestützte Therapie. Tier- und pflanzengestützte Therapie für Menschen mit Demenz planen, gestalten und ausführen. Bern u.a.: Huber.

Heeg, S.; Bäuerle, K. (2011): Freiräume: Gärten für Menschen mit Demenz. 3. Auflage. Frankfurt: Mabuse-Verlag.

Icon HeadlineTipps zur Gestaltung von Außenbereichen

  • Konzipieren Sie einen beschützten Garten für bewegungsaktive Bewohner:innen mit Demenz in Verbindung mit einem Personalkonzept für die Gartennutzung.
  • Sorgen Sie dafür, dass die Gestaltungsgrundlagen für einen Garten für Menschen mit Demenz bekannt sind. Alle am Gestaltungsprozess Beteiligten kennen die relevanten planerischen Aspekte für die Sicherheit der Nutzer.
  • Falls kein Außenbereich zur Verfügung steht, gestalten Sie die vorhandenen Balkone oder Terrassen. Hier ist einerseits der Sicherheitsaspekt (Barrierefreiheit, Brüstungshöhe) und andererseits die Verweilqualität (ungiftige Bepflanzung, Sonnenschutz, Sitzmöglichkeiten und anregende Gestaltungselemente) zu beachten.
  • Rüsten Sie Ihre Einrichtung mit Balkonen nach, wenn Ihnen keinerlei „Freibereiche“ zur Verfügung stehen.
  • Regen Sie den Austausch zwischen Leitung und Pflegeteams zu den Themen „Sicherheit“ und „Autonomie“ an. Ziel ist es, bei gewährleisteter Sicherheit für die Bewohner:innen so viel Autonomie wie möglich zuzulassen und letztendlich dadurch auch die Pflegenden zu entlasten.

Planungshilfe ist ein Service der

Logo Demenz Support Stuttgart