Akustik + Hören

Akus­tik + Hören

Schö­ne und we­ni­ger schö­ne Ge­räu­sche

Wir sind um­ge­ben von Ge­räu­schen, Lau­ten und Klang: unser akus­ti­sches Um­feld um­gibt uns täg­lich rund um die Uhr und gibt zu­ver­läs­sig und meist un­be­wusst Hin­wei­se auf Tages- und Jah­res­zeit, Wet­ter und auch den Ort, an dem wir uns be­fin­den. Jeder Ort und jede Zeit auf die­ser Welt haben einen ei­ge­nen Klang: Auf dem Land gibt es an­de­res zu hören als in der In­nen­stadt; nachts hören wir we­ni­ger und an­de­res als am Tag; im Win­ter hört sich die Um­ge­bung an­ders an als bei Regen. Das vie­ler­orts noch immer ver­nehm­ba­re re­gel­mä­ßi­ge Glo­cken­ge­läut ist für viele Men­schen bei der zeit­li­chen Ori­en­tie­rung hilf­reich. Stadt, Natur und Nach­bar­schaft bil­den eben­so einen akus­ti­schen Raum wie die Woh­nung, der Ar­beits­platz und die Tisch­ge­sell­schaft.

Akustik + Hören

Blinde Menschen orientieren sich auch an der Akustik der Umwelt. Viele Erinnerungen sind mit Geräuschen, Klängen und Lauten verbunden. Der Umzug an einen anderen Ort bedeutet auch immer ein neues akustisches Umfeld, in dem es sich neu zu orientieren gilt. Als Teilgebiet der Bauphysik beschäftigt sich die Raumakustik mit der baulichen Vermeidung von Lärm und der Hörsamkeit von Räumen. Eine schlechte Raumakustik erzeugt bei allen Menschen Stress: durch einen hohen Grund-Lautstärkepegel, der schlechteres Hören und lauteres Reden und damit eine höhere Hörschwelle, noch lauteres Reden usw. verursacht.

Akustische Reizüberflutung kann bei Menschen mit Demenz zu Überstimulation, Unruhe und aggressivem Verhalten oder auch – im Gegenteil – zu Apathien führen. Dabei verhindern die kognitiven Einschränkungen, dass Geräusche interpretiert werden können. Der krankheitsbedingte Verlust der Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, verstärkt die Verwirrung und Belastung noch zusätzlich. Als weiteres Moment kommt die altersbedingte Minderung der Hörfähigkeit hinzu. Statt präzise Informationen zu hören, werden Menschen mit diesen Einschränkungen vom kompletten akustischen Geschehen überwältigt und damit ausgeschlossen.

Es sind nicht immer nur die lauten Geräusche oder Störungen, die bei Menschen Stress erzeugen. Aus Studien über Großraumbüros weiß man, dass auch der leise Lärm, wie z. B. das Gespräch am Nachbartisch, und mangelnde Privatheit die Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigen. Dieser Stress führt zu Konzentrationsstörungen und zu einem signifikant höheren Auftreten von Kurzzeiterkrankungen. Schon in kleinmaßstäblicheren Büroeinheiten mit Wahlmöglichkeiten zur Privatheitsregulation treten nur halb so viele Kurzzeiterkrankungen auf, während die Arbeitnehmer von hoher Zufriedenheit und Wohlbefinden berichten. Was also bereits gesunden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern so zusetzt, dass sie krank werden, belastet alte Menschen mit den beschriebenen Einschränkungen in ähnlichen Umwelten wie Gemeinschaftsbereichen mindestens ebenso stark. Wohlbefinden und Leistungsvermögen sind auch bei Menschen mit Einschränkungen Voraussetzung für Kompetenzerhalt. Es ist daher wichtig, Hörsituationen voneinander zu trennen – also das Radio nicht anzustellen, wenn in der Küche gearbeitet wird und keinen Fernsehapparat laufen zu lassen oder gar Staub zu saugen, wenn gegessen wird. Denn nur dann sind etwa das Tischgespräch und die Essengeräusche voneinander zu unterscheiden.

Die Hörsituation soll so eindeutig sein, dass sie die Orientierung der Bewohnerinnen und Bewohner in Situation und Raum unterstützt. Man versteht vor diesem Hintergrund auch, wie wichtig es ist, einen abgeschlossenen Raum für Fernsehen und Musikhören vorzuhalten, wenn gleichzeitig andere Tätigkeiten stattfinden sollen.

Dazu sollte die Akustik der Räume der Empfindlichkeit der Hörsituation entsprechend angemessen gestaltet und ausgestattet sein. Eine gute „Hörsamkeit“ entsteht, wenn:

  • Möblierung und Raumausstattung mit ausreichend schallschluckenden Materialien wie Textilien, Holz, Polstermöbeln, Wand- und Deckenpaneelen den Schall so dämpfen, dass er nicht reflektiert wird (Schallabsorption).
  • es Räume gibt, die akustisch durch eine geschlossene Türe abgetrennt werden können, wie z.B. Fernsehzimmer o.ä.
  • in Bestandsbauten durch schallschluckende Wand- oder Deckenpaneele die Hörsamkeit des Raumes verbessert wird.

Beobachten Sie bewusst den Klangraum Wohngruppe und nutzen Sie die anregenden Wirkungen schöner Klänge und vertrauter Geräusche. Trennen Sie unterschiedliche Klangräume – wie z. B. die Fernsehübertragung eines Fußballspiels und eine Unterhaltung.

Gute Raumakustik entsteht durch

  • sensibilisierte Helferinnen und Helfer, Mitarbeiter, Angehörige und Bewohner:innen: Wer weiß, was stört, kann helfen;
  • eindeutige Klangräume: entweder Radio hören oder kochen, … beides zusammen verwirrt!
  • Vermeidung von Störgeräuschen im Raum;
  • abgeschlossene Räume für Fernsehen, Musikgenuss und Hauswirtschaft;
  • ausreichend schallschluckende Materialien bei Oberflächen, Möblierung und Ausstattung.

Und: (Bitte!) auch den Flur nicht vergessen. Auch hier soll die Akustik Orientierung und Verständigung unterstützen.


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